Auswandern in die Schweiz 2026: Lohn, Steuern und alle Fakten für Deutsche

Autor: Tobias Egli / am

26'434 Deutsche zogen 2025 in die Schweiz. Medianlohn 7'024 CHF vs 4'506 €, Abgaben 23 % statt 49 %: alle Fakten, Lohnvergleich nach Beruf und Checkliste.

Die Schweiz ist wieder das Auswanderungsland Nummer eins der Deutschen. 2025 sind 26'434 deutsche Staatsangehörige in die Schweiz eingewandert, so viele wie seit 2010 nicht mehr. Die Gründe sind messbar: Der Medianlohn liegt umgerechnet rund 65 Prozent über dem deutschen, die Abgabenlast ist weniger als halb so hoch. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Zahlen aus amtlichen Quellen zusammen, vergleicht die Löhne von 27 Berufen mit den Lohncheck-Modellen für die Schweiz und Deutschland und zeigt, was von der Lohndifferenz nach Miete, Krankenkasse und Steuern tatsächlich übrig bleibt.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

Kennzahl Wert Quelle
Einwanderung Deutscher in die Schweiz 2025 26'434 Personen (Auswanderung 11'978, Saldo +14'456) BFS
Fortzüge aus Deutschland in die Schweiz 2025 22'730 (Platz 1 aller Zielländer) Destatis
Deutsche in der Schweiz Ende 2025 336'446 Personen, grösste Ausländergruppe nach Italienern BFS
Einbürgerungen Deutscher 2025 8'779 (22 % aller Einbürgerungen) BFS / SEM
Medianlohn Vollzeit Schweiz 7'024 CHF pro Monat (2024) BFS LSE
Medianlohn Vollzeit Deutschland 54'066 € pro Jahr, rund 4'506 € pro Monat (2025) Destatis
Abgabenkeil Alleinstehende (Steuern + Sozialabgaben) Schweiz 23,0 %, Deutschland 49,3 % (2025) OECD
Netto vom Brutto, Alleinstehende mit Durchschnittslohn Schweiz 81,9 %, Deutschland 61,3 % OECD
Mittlere Krankenkassenprämie 2026 393.30 CHF pro Monat (Erwachsene 465.30 CHF) BAG
Mieten Zürich gegenüber München +85 % (Numbeo) bis +45 % (Stadtkosten.de) Numbeo / Stadtkosten
Leerwohnungsziffer Schweiz 2026 0,93 % BFS
Wochenarbeitszeit Vollzeit vertraglich 41 Std. 47 Min. BFS SAKE
Gesetzlicher Mindesturlaub 4 Wochen (5 Wochen bis 20 Jahre) SECO

Wie viele Deutsche wandern in die Schweiz aus?

Nach der Wanderungsstatistik des Bundesamts für Statistik (BFS) zogen 2025 26'434 Deutsche in die Schweiz, 11'978 verliessen sie wieder. Der Wanderungssaldo von +14'456 ist der höchste seit 2011. Die deutsche Statistik zählt weniger Fälle, weil sich nicht alle Wegziehenden in Deutschland abmelden: Das Statistische Bundesamt registrierte 2025 22'730 Fortzüge in die Schweiz und 8'571 Zuzüge aus der Schweiz. Damit war die Schweiz vor Österreich, Spanien und den USA das wichtigste Zielland der Deutschen. Insgesamt verlor Deutschland 2025 netto rund 97'000 eigene Staatsangehörige an das Ausland.

Zeitreihe 2011 bis 2025 (BFS)

Jahr Einwanderung Deutscher Auswanderung Deutscher Saldo
2011 30'694 16'265 +14'429
2013 25'846 16'718 +9'128
2015 22'896 16'181 +6'715
2017 20'426 14'832 +5'594
2019 20'464 13'903 +6'561
2020 19'687 12'029 +7'658
2021 21'159 12'135 +9'024
2022 24'241 12'094 +12'147
2023 26'217 11'699 +14'518
2024 25'075 11'714 +13'361
2025 26'434 11'978 +14'456

Zur Einordnung: Im Rekordjahr 2008, kurz nach dem vollen Inkrafttreten der Personenfreizügigkeit, kamen rund 46'000 Deutsche in die Schweiz. Die heutige Welle ist also kleiner als damals, aber sie hält seit 2021 ununterbrochen an, und gleichzeitig kehren so wenige Deutsche zurück wie nie seit 2011.

Wer kommt und wohin?

Ende 2025 lebten 336'446 Deutsche in der Schweiz, 216'707 davon mit Niederlassungsbewilligung C, 117'413 mit Aufenthaltsbewilligung B. Rund 57 Prozent sind Männer, etwa 60 Prozent zwischen 20 und 39 Jahre alt. Eine Befragung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung ergab, dass 76 Prozent der deutschen Auswanderer einen Hochschulabschluss haben und 58 Prozent aus beruflichen Gründen gehen.

Die Deutschen konzentrieren sich auf die Deutschschweiz:

Kanton Deutsche Ende 2025 Anteil an der Bevölkerung Zuwanderung 2025
Zürich 88'970 5,4 % 6'989
Aargau 39'735 5,3 % 2'605
Bern 29'448 2,7 % 2'187
Thurgau 27'556 9,1 % 1'860
St. Gallen 27'273 5,0 % 2'293
Basel-Stadt 18'058 8,8 % 1'956
Luzern 16'534 3,7 % 1'425
Basel-Landschaft 15'792 5,2 % 1'351
Schaffhausen 8'025 8,9 % 686
Zug 6'890 5,1 % 424
Waadt 5'421 0,6 % 487
Genf 4'139 0,8 % 476

Auffällig: Zürich ist seit 2015 nur um rund 2'200 Deutsche gewachsen (86'769 auf 88'970), Aargau und Thurgau dagegen um je rund 6'500. Wer den Zürcher Wohnungsmarkt umgehen will, zieht in die Nachbarkantone.

Wie viel mehr Lohn gibt es in der Schweiz?

Amtliche Mediane: rund 65 Prozent mehr, kaufkraftbereinigt 21 Prozent

Der Medianlohn für eine Vollzeitstelle lag laut BFS-Lohnstrukturerhebung 2024 bei 7'024 CHF pro Monat, also rund 84'300 CHF pro Jahr. In Deutschland betrug der Median für Vollzeitbeschäftigte 2025 laut Destatis 54'066 € pro Jahr inklusive Sonderzahlungen, rund 4'506 € pro Monat. Beim Kurs von 1 CHF = 1.056 € (SNB, 18.09.2026) entspricht der Schweizer Medianlohn rund 89'000 €, das sind 65 Prozent mehr als in Deutschland.

Kaufkraftbereinigt schmilzt der Vorsprung: Die OECD weist für 2025 einen Durchschnittslohn von 92'285 USD (PPP) für die Schweiz und 76'285 USD für Deutschland aus, ein Plus von 21 Prozent. Der grössere Hebel liegt nicht beim Brutto, sondern beim Netto (siehe unten).

Innerhalb der Schweiz sind die Unterschiede gross: Beschäftigte mit Universitätsabschluss verdienen im Median 10'533 CHF, mit Fachhochschulabschluss 9'288 CHF, mit Berufslehre (EFZ) 6'390 CHF. Im Bankensektor liegt der Median bei 10'723 CHF, im Detailhandel bei 5'214 CHF, in der Gastronomie bei 4'744 CHF. Einen 13. Monatslohn erhalten 75,9 Prozent der Beschäftigten; mehr dazu im Artikel zum 13. Monatslohn in der Schweiz.

Lohnvergleich nach Beruf: Lohncheck-Modelle Schweiz vs. Deutschland

Die folgende Tabelle zeigt die mittlere Lohnspanne (Vollzeit, brutto pro Jahr) aus den Lohncheck-Modellen für die Schweiz (lohncheck.ch) und für Deutschland (lohncheck.de), Stand Q1 2026. Die Schweizer Werte sind zum SNB-Kurs vom 18.09.2026 in Euro umgerechnet. Der Faktor vergleicht die Mitte der beiden Spannen.

Beruf Schweiz (CHF) Schweiz (in €) Deutschland (€) Faktor
Arzt 80'087–147'941 84'600–156'300 33'063–79'067 ×2,1
Anwalt 96'160–143'271 101'600–151'300 46'828–79'970 ×2,0
Wirtschaftsprüfer 84'609–129'951 89'400–137'300 40'040–69'626 ×2,1
IT Consultant 80'814–123'265 85'400–130'200 35'228–66'084 ×2,1
Controller 82'985–119'254 87'700–126'000 37'430–62'247 ×2,1
Zahnarzt 82'690–115'905 87'300–122'400 43'566–64'976 ×1,9
Projektleiter 80'308–112'883 84'800–119'200 37'849–58'551 ×2,1
Softwareentwickler 78'559–111'700 83'000–118'000 33'222–56'700 ×2,2
Apotheker 77'663–110'582 82'000–116'800 30'573–55'676 ×2,3
HR Manager 80'664–110'525 85'200–116'700 40'090–58'812 ×2,0
Ingenieur 75'306–108'261 79'500–114'400 25'591–53'317 ×2,5
Elektroingenieur 81'155–106'954 85'700–113'000 37'923–54'252 ×2,2
Bauleiter 74'729–104'430 78'900–110'300 28'377–51'582 ×2,4
Maschinenbauingenieur 80'236–103'099 84'800–108'900 34'793–51'298 ×2,2
Marketing Manager 70'940–100'436 74'900–106'100 32'372–51'214 ×2,2
Polizist 76'712–99'882 81'000–105'500 29'233–48'997 ×2,4
Informatiker 63'421–97'663 67'000–103'200 25'942–46'819 ×2,3
Bankangestellter 61'621–88'336 65'100–93'300 24'794–42'077 ×2,4
Physiotherapeut 66'455–84'896 70'200–89'700 24'683–40'863 ×2,4
Personalassistent 62'170–82'096 65'700–86'700 27'129–39'576 ×2,3
Maurer 59'273–76'104 62'600–80'400 23'868–36'286 ×2,4
Kaufmann 55'338–74'934 58'500–79'200 23'308–33'498 ×2,4
Polymechaniker 58'277–74'773 61'600–79'000 27'308–35'745 ×2,2
Zimmermann 56'511–73'929 59'700–78'100 23'189–34'035 ×2,4
Schreiner 56'987–73'823 60'200–78'000 23'922–34'523 ×2,4
Chauffeur 53'711–70'140 56'700–74'100 22'098–31'279 ×2,5

Lesehilfe: Die Modellwerte für Deutschland beruhen auf deutlich weniger Datenpunkten als die Schweizer Werte und liegen tendenziell unter den amtlichen Destatis-Zahlen. Der Faktor von rund 2 bis 2,5 aus den Modellen ist deshalb als Obergrenze zu lesen; der Vergleich der amtlichen Mediane ergibt einen Faktor von 1,65. Robust ist die Reihenfolge: In Handwerk, Verkauf, Pflege und Verwaltung ist der relative Vorsprung der Schweiz am grössten, bei Ärzten, Anwälten und Zahnärzten am kleinsten. Den individuellen Wert für Alter, Kanton, Ausbildung und Erfahrung liefert der Lohnrechner.

Was bleibt netto? Steuern und Abgaben im Vergleich

Der eigentliche Unterschied liegt bei den Abzügen. Die OECD berechnet in «Taxing Wages 2026» für das Steuerjahr 2025 den Abgabenkeil, also Einkommenssteuer plus Sozialabgaben von Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Prozent der Arbeitskosten:

Haushalt Deutschland Schweiz OECD-Schnitt
Alleinstehend, Durchschnittslohn 49,3 % 23,0 % 35,1 %
Alleinstehend, 67 % des Durchschnittslohns 45,5 % 20,1 %
Alleinverdiener-Paar, 2 Kinder 34,9 % 10,8 %
Doppelverdiener-Paar, 2 Kinder (100 % + 67 %) 42,6 % 17,1 %

Deutschland liegt damit auf Platz 2 aller OECD-Länder hinter Belgien. Ohne Arbeitgeberbeiträge gerechnet zahlen deutsche Alleinstehende 38,7 Prozent ihres Bruttolohns an Steuern und Sozialabgaben, Schweizer 18,1 Prozent. Der Unterschied kommt vor allem von den Sozialabgaben: 21,5 Prozent Arbeitnehmeranteil in Deutschland gegenüber 6,4 Prozent in der Schweiz. Die Einkommenssteuer liegt mit 17,2 gegenüber 11,7 Prozent näher beieinander.

Modellrechnung: Netto vom Brutto

Haushalt Land Brutto 2025 Netto Netto in %
Alleinstehend, kein Kind Deutschland 66'700 € 40'902 € 61,3 %
Schweiz 100'715 CHF 82'536 CHF 81,9 %
Alleinverdiener-Paar, 2 Kinder Deutschland 66'700 € 52'479 € 78,7 %
Schweiz 100'715 CHF 95'547 CHF 94,9 %
Doppelverdiener-Paar, 2 Kinder Deutschland 133'400 € 89'193 € 66,9 %
Schweiz 201'429 CHF 172'343 CHF 85,6 %

Kaufkraftbereinigt hat eine alleinstehende Person mit Durchschnittslohn in der Schweiz netto 87'303 USD zur Verfügung, in Deutschland 57'634 USD, ein Plus von 51 Prozent.

Wichtig: Die Schweizer Krankenversicherung ist in diesen Zahlen nicht enthalten, weil sie als Kopfprämie ausserhalb des Lohns bezahlt wird. Die mittlere Prämie 2026 beträgt 393.30 CHF pro Monat, für Erwachsene ab 26 Jahren 465.30 CHF, für Kinder 122.50 CHF. Eine erwachsene Person zahlt rund 5'600 CHF pro Jahr, eine Familie mit zwei Kindern rund 14'100 CHF. Zieht man das ab, bleiben Alleinstehenden noch rund 76 Prozent des Bruttolohns, immer noch 15 Prozentpunkte mehr als in Deutschland.

Quellensteuer für Neuzuzüger

Wer mit B- oder L-Bewilligung in der Schweiz arbeitet, wird an der Quelle besteuert: Der Arbeitgeber zieht die Steuer direkt vom Lohn ab. Ab 120'000 CHF Bruttoeinkommen pro Jahr folgt zwingend eine nachträgliche ordentliche Veranlagung, darunter kann sie bis 31. März des Folgejahres beantragt werden, was sich bei hohen Abzügen (Pendeln, Säule 3a, Weiterbildung) lohnt. Details im Artikel zur Quellensteuer in der Schweiz.

Der Kanton entscheidet mit

Die Steuerbelastung unterscheidet sich zwischen den Kantonen um ein Mehrfaches. Eine ledige Person mit 70'000 CHF Bruttoeinkommen zahlt im Kantonshauptort Zug knapp 2'700 CHF Einkommenssteuern (Gemeinde, Kanton, Bund), in Neuenburg rund 10'500 CHF. Eine Familie mit 100'000 CHF Einkommen zahlt im Kanton Zug gar keine Einkommenssteuer. Zug und Schwyz sind über alle Einkommen tief, Genf ist bei tiefen Familieneinkommen günstig und bei hohen teuer.

Lebenskosten: Wo der Lohnvorteil wieder schrumpft

Die Lohndifferenz wird durch höhere Preise teilweise aufgefressen. Numbeo weist für Zürich gegenüber München Lebenskosten ohne Miete von +58,5 Prozent und Mieten von +85,2 Prozent aus; die lokale Kaufkraft liegt trotzdem 15,6 Prozent höher. Eine 3-Zimmer-Wohnung im Zentrum kostet in Zürich rund 5'390 € gegenüber 2'740 € in München. Andere Vergleichsportale kommen auf eine Mietdifferenz von 45 Prozent, die Bandbreite ist gross.

Der Wohnungsmarkt ist der wichtigste Risikofaktor: Die Leerwohnungsziffer sank am 1. Juni 2026 auf 0,93 Prozent, in Genf (0,34 %), Zug (0,42 %) und Zürich (0,48 %) liegt sie noch tiefer. Kita-Plätze kosten in den Städten um 2'000 CHF pro Monat und Kind. Wer diese Posten unterschätzt, gehört häufig zu jenen, die wieder zurückkehren.

Bewilligung, Anmeldung, Umzug: Die Praxis

Deutsche profitieren vom Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU. Es gibt keine Kontingente; die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz», die das Abkommen infrage gestellt hätte, wurde am 14.06.2026 mit 54,8 Prozent Nein abgelehnt.

Schritt Regel
Arbeit bis 3 Monate pro Jahr keine Bewilligung, aber Meldepflicht
Ausweis L EU/EFTA Arbeitsvertrag unter 1 Jahr, Gültigkeit = Vertragsdauer
Ausweis B EU/EFTA Arbeitsvertrag über 1 Jahr oder unbefristet; 5 Jahre gültig
Ausweis C EU/EFTA nach 5 Jahren ununterbrochenem Aufenthalt; unbefristet
Anmeldung Wohngemeinde innerhalb von 14 Tagen nach Zuzug, dort auch Bewilligung beantragen
Krankenversicherung Grundversicherung innerhalb von 3 Monaten abschliessen; gilt rückwirkend ab Zuzug
Umzugsgut abgabenfrei, wenn mindestens 6 Monate gebraucht; Formular 18.44 des BAZG
Berufsanerkennung nur in reglementierten Berufen (Ärzte, Pflege, Lehrpersonen, Architekten) nötig; Verfahren beim SBFI, Rückmeldung innerhalb von 4 Wochen
Rente deutsche und Schweizer Versicherungszeiten werden zusammengerechnet; jedes Land zahlt anteilig
Doppelbürgerschaft seit 27.06.2024 verlieren Deutsche bei Einbürgerung in der Schweiz den deutschen Pass nicht mehr

Arbeitsrecht: Mehr Stunden, weniger Kündigungsschutz

Die vertragliche Wochenarbeitszeit für Vollzeit liegt bei 41 Stunden 47 Minuten, die 42-Stunden-Woche ist die Norm. Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt 4 Wochen (5 Wochen bis zum 20. Geburtstag), üblich sind 5 Wochen. Die Kündigungsfristen sind kurz: 1 Monat im ersten Dienstjahr, 2 Monate im zweiten bis neunten, 3 Monate ab dem zehnten Jahr. Ein allgemeines Kündigungsschutzgesetz mit Sozialauswahl wie in Deutschland gibt es nicht; eine Kündigung braucht keinen Grund, darf aber nicht missbräuchlich sein. Der Arbeitsmarkt ist dafür deutlich flexibler. Zu Mindestlöhnen in einzelnen Kantonen siehe den Mindestlohn Schweiz 2026.

Welche Berufe sind gefragt?

Ärztinnen und Ärzte: 41,3 Prozent der 42'602 berufstätigen Ärzte in der Schweiz haben ein ausländisches Diplom, 49,4 Prozent davon ein deutsches. Rund 8'700 in Deutschland ausgebildete Ärzte arbeiten in der Schweiz; jeder fünfte Arzt im Land hat ein deutsches Diplom. 2024 verliess fast jeder dritte aus Deutschland abwandernde Arzt das Land in Richtung Schweiz. Lohnprofil: Arzt Lohn Schweiz.

Pflege: Rund ein Drittel der Pflegefachpersonen ist im Ausland ausgebildet, in den Grenzkantonen Basel, Schaffhausen und Thurgau besonders viele in Deutschland.

Lehrpersonen: Der Anteil ausländischer Lehrkräfte an der obligatorischen Schule stieg von 3,0 Prozent (2006) auf 5,8 Prozent (2017), in Basel-Stadt auf 13,6 Prozent. Seit 2008 wurden über 6'000 ausländische Lehrdiplome anerkannt.

Hochschulen: 67 Prozent der Professorinnen und Professoren im ETH-Bereich kommen aus dem Ausland.

Technik und IT: Gut 17 Prozent der deutschen Erwerbstätigen in der Schweiz arbeiten in technischen und Informatikberufen (letzte Detailauswertung 2009). Ingenieure, Softwareentwickler und Bauleiter gehören zu den Berufen mit dem grössten relativen Lohnvorsprung (siehe Tabelle oben).

Die Gegenstimmen: Was oft unterschätzt wird

  • Rückwanderung: Rund die Hälfte der Deutschen, die 2011 einwanderten, hatte die Schweiz fünf Jahre später wieder verlassen; drei Viertel der Wegziehenden kehren nach Deutschland zurück. Hauptgründe sind Wohnkosten, Kinderbetreuung und soziale Distanz.
  • Wohnungsnot: Leerwohnungsziffer 0,93 Prozent, in den Zentren unter 0,5 Prozent.
  • Krankenkasse: Kopfprämie von 465.30 CHF pro Erwachsenen und Monat, unabhängig vom Einkommen, plus Franchise und Selbstbehalt.
  • Politisches Klima: Vor der Abstimmung vom 14.06.2026 hielten laut Demoscope 51 Prozent der Befragten eine 10-Millionen-Schweiz für problematisch; das Wort «Dichtestress» prägt die Debatte. Die Initiative scheiterte trotzdem.
  • Lohndruck-Debatte: EU/EFTA-Zugewanderte verdienen laut SECO bereinigt 1,1 Prozent weniger als Schweizer bei gleichen Merkmalen.
  • Sprache: Hochdeutsch wird verstanden, aber Mundart ist im Alltag die Norm. Wer sie nicht versteht, bleibt sozial oft aussen vor.
  • Braindrain in Deutschland: Bundeskanzler Friedrich Merz wies Sorgen mit der Frage «Wohin denn?» zurück. Die Zahlen zeigen: Es gehen überdurchschnittlich viele Hochqualifizierte, Deutschland verlor 2024 allein 2'197 Ärzte an das Ausland.

Jeder fünfte junge Deutsche will gehen

Die Trendstudie «Jugend in Deutschland 2026» (rund 2'000 Befragte zwischen 14 und 29 Jahren) ergab, dass 21 Prozent konkret planen, Deutschland zu verlassen, und weitere 41 Prozent es sich vorstellen können. Die Schweiz und Österreich stehen an der Spitze der Wunschziele, gefolgt von Skandinavien und Nordamerika. Als Motive nennen die Befragten Löhne, Steuern, Bürokratie und Zukunftspessimismus. Absichtsbefragungen überzeichnen das tatsächliche Verhalten jedoch stark: Netto gingen 2025 rund 97'000 Deutsche aller Altersgruppen.

Häufige Fragen

Wie viel verdient man in der Schweiz im Vergleich zu Deutschland? Der Medianlohn liegt bei 7'024 CHF pro Monat (BFS 2024) gegenüber rund 4'506 € in Deutschland (Destatis 2025). Nominal sind das rund 65 Prozent mehr, kaufkraftbereinigt rund 21 Prozent. Netto ist der Unterschied grösser, weil die Abgabenlast in der Schweiz weniger als halb so hoch ist.

Wie hoch sind die Abzüge vom Lohn in der Schweiz? Alleinstehende mit Durchschnittslohn behalten laut OECD 81,9 Prozent des Bruttolohns, in Deutschland 61,3 Prozent. Hinzu kommt in der Schweiz die Krankenkassenprämie von durchschnittlich 465.30 CHF pro Monat für Erwachsene.

Brauchen Deutsche eine Arbeitsbewilligung für die Schweiz? Dank Personenfreizügigkeit reicht ein Arbeitsvertrag. Mit Vertrag über ein Jahr erhält man die B-Bewilligung (5 Jahre), nach 5 Jahren die unbefristete C-Bewilligung. Anmeldung bei der Gemeinde innerhalb von 14 Tagen.

Verliere ich den deutschen Pass bei der Einbürgerung? Nein. Seit dem 27.06.2024 akzeptiert Deutschland Mehrstaatigkeit generell. 2025 liessen sich 8'779 Deutsche in der Schweiz einbürgern.

Was kostet das Leben in Zürich im Vergleich zu München? Ohne Miete rund 58 Prozent mehr, Mieten je nach Quelle 45 bis 85 Prozent mehr. Die Kaufkraft liegt trotzdem rund 16 Prozent höher.

Welche Berufe haben die besten Chancen? Ärzte, Pflegefachpersonen, Lehrpersonen, Ingenieure, Informatiker und Handwerker mit Berufsabschluss. In reglementierten Berufen ist eine Diplomanerkennung beim SBFI oder bei der MEBEKO nötig.

Wie viele Deutsche kehren wieder zurück? 2025 verliessen 11'978 Deutsche die Schweiz, bei einem Bestand von 336'446 sind das 3,6 Prozent. Rund die Hälfte der Neuzuzüger bleibt nicht länger als fünf Jahre.

Quellen

  • BFS, Wanderung der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeit: https://www.pxweb.bfs.admin.ch/pxweb/de/px-x-0103020200_102/
  • BFS, Ständige ausländische Wohnbevölkerung nach Kanton und Bewilligung: https://www.pxweb.bfs.admin.ch/pxweb/de/px-x-0103010000_101/
  • BFS, Erwerb des Schweizer Bürgerrechts: https://www.pxweb.bfs.admin.ch/pxweb/de/px-x-0103030100_101/
  • BFS, Lohnstrukturerhebung 2024 (Medienmitteilung): https://www.admin.ch/de/newnsb/CzozNgBTCJOrNyvwsItyp
  • Destatis, Fortzüge Deutscher nach Zielland 2025 (GENESIS 12711-0008): https://genesis.destatis.de/datenbank/online/statistic/12711/table/12711-0008
  • Destatis, Wanderungen 2025 (Pressemitteilung 184/2026): https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/06/PD26_184_12411.html
  • Destatis, Verdienste 2025 (Pressemitteilung 113/2026): https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/04/PD26_113_621.html
  • OECD, Taxing Wages 2026, Datenbank: https://data-explorer.oecd.org/vis?df[ds]=DisseminateFinalDMZ&df[id]=DSD_TAX_WAGES_COMP@DF_TW_COMP&df[ag]=OECD.CTP.TPS
  • OECD, Average annual wages: https://www.oecd.org/en/data/indicators/average-annual-wages.html
  • BAG, Krankenkassenprämien 2026: https://www.bag.admin.ch/de/newnsb/d2okh_kUK_OFhmMDfpyiy
  • BFS/BWO, Leerwohnungszählung: https://www.bwo.admin.ch/de/newnsb/4EOYzS4sVwTFlKxWvUEiR
  • SEM, FAQ Personenfreizügigkeit: https://www.sem.admin.ch/sem/de/home/themen/fza_schweiz-eu-efta/eu-efta_buerger_schweiz/faq.html
  • SEM, Zuwanderungsstatistik 2025: https://www.admin.ch/de/newnsb/ixt-Q0OoyX6niFp2Rp54n
  • BAZG, Umzug in die Schweiz: https://www.bazg.admin.ch/de/vorgehen-umzug-in-die-schweiz
  • SBFI, Anerkennungsverfahren: https://www.sbfi.admin.ch/de/anerkennungsverfahren-beim-sbfi
  • SECO, Arbeits- und Ruhezeiten: https://www.seco.admin.ch/de/arbeits-und-ruhezeiten
  • SECO, 22. Observatoriumsbericht zum Freizügigkeitsabkommen 2026: https://www.seco.admin.ch/dam/de/sd-web/OApVoo89AUQX/22.%20Observatoriumsbericht%20zum%20FZA_SECO_2026_DE.pdf
  • FMH, Ärztestatistik 2024: https://www.fmh.ch/files/pdf32/2025-03-26-medienmitteilung-fmh-aerztestatistik_final_d-1.pdf
  • BAMF, Migrationsbericht 2024: https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Forschung/Migrationsberichte/MB-2024/migrationsbericht-2024-kap4.pdf
  • Bundesverwaltungsamt, Beibehaltung der Staatsangehörigkeit: https://www.bva.bund.de/DE/Services/Buerger/Ausweis-Dokumente-Recht/Staatsangehoerigkeit/Beibehaltung/Beibehaltung_node.html
  • Deutsche Rentenversicherung, Schweiz: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Rente/Ausland/Ansprechpartner-und-Verbindungsstellen/Schweiz/Schweiz.html
  • ESTV, Besteuerung an der Quelle: https://www.estv2.admin.ch/stp/ds/e-besteuerung-an-der-quelle-de.pdf
  • Watson/ESTV, Steuerbelastung nach Gemeinde 2025: https://www.watson.ch/schweiz/gesellschaft-politik/611132706-fiskus-so-viele-steuern-zahlst-du-in-deiner-gemeinde
  • Numbeo, Zürich vs. München: https://www.numbeo.com/cost-of-living/compare_cities.jsp?country1=Germany&city1=Munich&country2=Switzerland&city2=Zurich
  • SRF, Abstimmung vom 14.06.2026: https://www.srf.ch/news/schweiz/abstimmung-vom-14-juni-initiative-keine-10-mio-schweiz-gescheitert
  • Forschung & Lehre, Jugend in Deutschland 2026: https://www.forschung-und-lehre.de/zeitfragen/jugend-in-deutschland-2026-ein-fuenftel-will-auswandern-7606
  • swissinfo, Wer einwandert und wer wieder geht: https://www.swissinfo.ch/ger/schweizer-position/wer-in-die-schweiz-einwandert-und-wer-sie-wieder-verl%C3%A4sst/89200644
  • NZZ, «Der deutsche Exodus in die Schweiz» (19.09.2026): https://www.nzz.ch/der-andere-blick/der-deutsche-exodus-in-die-schweiz-ld.10024082
  • SNB, Wechselkurse (18.09.2026): https://www.snb.ch/de/the-snb/mandates-goals/statistics/statistics-pub/current_interest_exchange_rates
  • Lohncheck-Modelle Schweiz und Deutschland, Stand Q1 2026: https://lohncheck.ch und https://lohncheck.de

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